Mütter in der Arbeitswelt

Seit den 1960er und 1970er – Jahren hat sich das Bild der Frau deutlich verändert. Die Emanzipation hat in der Republik Einzug gehalten. Schlagwörter, wie z. B. Gleichberechtigung, haben für Reformen im Gesetz gesorgt. Alice Schwarzer wird in dieser Zeit als Symbol der Frauenbewegung gesehen. War es gerade diese Frau, mit ihrer angriffslustigen Art, die den Stein ins Rollen brachte.

Frauen und Arbeit

In der Nachkriegszeit waren es in aller Regel die Frauen, die anpackten. Straßen mussten geräumt und Häuser wiederhergerichtet werden. Die Grundlagen für eine florierende Wirtschaft legen. Zahlreiche Männer waren verstorben, in Gefangenschaft, verschollen. Nicht umsonst bekamen die Frauen der direkten Nachkriegszeit den Namen Trümmerfrauen. Doch mit jeder Familie, die sich zusammenfand, kamen die gewohnten Strukturen der Vorkriegszeit zurück. So manches Gesetz galt noch immer.

Das Ehe- und Familienrecht hatte bis in die 1970er – Jahre einen klaren Standpunkt. Die Rollenverteilung von Mann und Frau spiegelte sich im Gesetz klar wieder. Frauen waren demnach nur für Haushalt, eheliche Pflichten und Kinder zuständig. Männer galten als Alleinverdiener. Verheiratete Frauen durften demnach nur mit der Einwilligung des Ehemannes einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Ohne einen Hacken? Nein, nicht Ganz. Voraussetzung war, dass als Ehefrau dennoch vollständig erfüllt wurden. Oder wenn das Einkommen des Mannes nicht reichten. Alles andre galt als Sittenwidrig und Unmoralisch. Es konnte sogar soweit führen, dass die Frau im Falle einer Scheidung keine Unterhaltsansprüche geltend machen konnte.

1976 war ein entscheidendes Jahr für Ehefrauen, die gleichzeitig für alle Frauen der deutschen Republik standen. Das Ehe – und Familienrecht wurde zu Gunsten der Frauen reformiert. Eine grundlegende Veränderung war nun greifbar. War es doch nun schriftlich im Gesetz festgehalten.

Seit der Reform zugunsten der Frauen sind bereits 42 Jahre vergangen. Für die heutigen jungen Frauen ist der Kampf um die finanziellen Freiheiten von damals kaum vorstellbar. Wird das alte Recht mit dem Satz „Wie im Mittelalter“ belächelt. 42 Jahre Zeit der Veränderung. Mancher Traum von Arbeit hat sich verwirklicht. Selbstverständlichkeiten haben sich eingebürgert. Positive und negative. Manche Aspekte befinden sich noch heute im Umbruch. Allein die Frauenquote in erhitzt in manchen Arbeitsbereichen und Unternehmen die Gemüter.

Im Wandel der Zeit

Für Frauen im Allgemeinen hat sich in den letzten Jahren vieles getan. Wenn auch nur viele kleine Schritte. In die richtige Richtung? Meistens jedenfalls. Mütter sind in der Arbeitswelt nochmals eine eigne Kategorie unter den Frauen. Mütter haben noch mehr mit Klischees und Vorurteilen zu kämpfen, als andere Frauen. Mütter, die den Spagat zwischen Kinder und finanzieller Unabhängigkeit gehen wollen und müssen. Eine Kategorie von Frauen, die manchmal mehr für Freiheit und finanzielle Sicherheiten kämpfen müssen, als andere.

Gesetzesreformen, Frauenquoten – Dinge, die sich im Laufe der Jahre verändert haben und teilweise auch mussten. In der Politik und im Business der Unternehmen hört sich vieles wunderbar an. Einfach. Der bittere Beigeschmack der Realität ist geblieben. Erfolgreiche Karrierefrauen, die gleichzeitig Mutter sind gibt es selten. Was die meisten vergessen, ist der Kampf für den Erfolg. Nicht alle erfolgreiche Karrieremütter sind mal eben zwischen Fläschchen geben und Windeln wechseln an die Spitze gelaufen. Klischees, Vorurteile und das typische Rollenverhalten von Mann und Frau sind in vielen Köpfen des Betriebs – und Unternehmensinhabers fest verankert. Selbst bei einer normalen Anstellung. Als Mutter.

Mütter in der Welt der Arbeit

Für kinderlose Frauen hat sich in der Arbeitswelt vieles getan, wenn auch noch nicht alles optimal ist. Bei den Müttern sieht es etwas anders aus, ist es sogar meist schwerer. Müssen mehr in Kauf nehmen, um mehr kämpfen. Aber warum? Haben Mütter nicht auch ihre Vorteile? Nur wenige Mütter haben das Glück, trotz Kinder erfolgreich im Berufsleben zu stehen oder Karriere zu machen. Für viele Mütter ist es schon eine Herausforderung eine normale Anstellung zu finden. Ohne Beachtung der erreichten Qualifikationen. Eine Arbeitsstelle, deren Einnahme zur finanziellen Sicherheit beiträgt.

1976 trat eine Reform in Kraft, die auf dem Arbeitsmarkt vieles verändern sollte. Gleichberechtigung bekam einen neuen Stellenwert, wurde großgeschrieben. Noch heute ist Gleichberechtigung für viele wichtig. Was hat sich aber in den letzten 4 Jahrzenten tatsächlich verändert? Vieles? Nichts? Die meisten Mütter haben auf dem Arbeitsmarkt viel zu kämpfen. Klischees und Vorurteile überschatten den beruflichen Werdegang. Es ist eine Problematik, die das Finden und Halten einer Arbeitsstelle merklich erschwert. Eine Situation, die sich wie ein Windrad bei starkem Wind dreht und geklärt werden möchte und muss.

Klischees und Vorurteile

Ich bin eine Frau. Ich bin Mutter. Gewillt und in der Lage zu arbeiten. Von einer Arbeitsstelle mit festem Einkommen kann ich aber nur träumen. Es ist, als ob ich der Inbegriff sämtlicher Vorurteile und Klischees bin. Oft habe ich gedacht, es liegt NUR an mir. Ich bin aber nicht die Einzige, die um finanzielle Unabhängigkeit kämpft. Nicht die Einzige, die sich finanzielle Sicherheiten wünscht. Nicht die Einzige? Nein, vielen anderen Müttern geht es so wie mir. Oder ähnlich. Wenn auch nur in wenigen Punkten.

Einen Teil der typischen Klischees und Vorurteile kommt von Seiten der Arbeitgeber. Aussagen, die sich in ihrem Kopf beinahe festgebrannt haben. Gerade unter den älteren Geschäftsführern und Personalchefs ist die Struktur der klassischen Rollenverteilung fest verankert. Frauen haben verheiratet zu sein, sich um Haushalt und Kinder zu kümmern. Der finanzielle Aspekt als Argument für die Erwerbstätigkeit findet nur selten den Weg in die Gedanken. Denn das Einkommen des Mannes hat für die Kosten des Wohnraums, Lebensmittel und den Verpflichtungen gegenüber der Kinder zu reichen. Doch bei stetig steigenden Preisen – selbst in Diskountern – ist das immer seltener der Fall. Die finanzielle Unabhängigkeit der Mutter selbst ist dabei noch nicht berücksichtigt. Seien wir doch mal ehrlich: Auch als Mutter möchte man sich – zumindest alle paar Wochen – etwas gutes tun. Mit einer Freundin im Café treffen. Mal ins Kino gehen. Es muss noch nicht einmal der Urlaub auf dem teuren Luxusdampfer sein.

„Mütter fehlen wegen den Kindern öfters auf der Arbeit!“. Eine Aussage, die sich bei vielen Mitarbeitern der Führungsebene eingenistet hat. Fehlt die Arbeitskraft von Müttern tatsächlich öfters, als die der Kollegen? Nein! Die Techniker Krankenkasse hat dafür sogar kürzlich eine Analyse veröffentlich. Darin wurden beide Elternteile berücksichtigt. Dennoch gehen klare Aussagen hervor. Eltern – und damit auch die Mütter – ab 40 Jahren fehlen seltener, als kinderlose, gleichaltrige Mitarbeiter. Eltern unter 40 Jahren gerade einmal bis zu 3 Tagen mehr. Es ist ein Klischee, welches durch auffällige Zahlen bekräftigt wird. Seit 2007 haben sich die Zahlen von Eltern, die wegen kranker Kinder zu Hause bleiben, verdoppelt. Übersehen wird, dass im gleichen Zeitraum immer mehr Mütter in der Arbeitswelt erfasst wurden. An der Relation an sich hat sich jedoch nichts verändert. Weshalb sich viele Arbeitgeber auf diese Aussage stützen bleibt fraglich. Denn einen finanziellen Schaden kann der Betrieb nicht erleiden. Das Arbeitsentgelt wird bis zu 90% des Nettogehalts von der Krankenkasse übernommen. Bei der Erledigung der liegenbleibenden Aufgaben ist in dem Moment der Arbeitgeber gefordert. Ist es doch letztlich eine Frage der Führung und Organisation. Oder nicht?

Allein nur mit diesen beiden Aspekten lassen sich bereits einige Betriebe und Unternehmen von der Bewerbungsliste streichen. Selbst wenn es sich bei dem Firmeninhaber oder dem Personaler selbst um einen Familienmensch handelt. Es wird zudem noch weitere Gründe gefunden, der gegen eine Mutter sprechen. Tarnname Firmenpolitik.

So kursiert ein Gerücht unter dem Tarnnamen Firmenpolitik. In dem Gerücht heißt es, dass viele Mütter keine qualitative Arbeit leisten können. Begründung: Sie wären nicht in der Lage, sich über einen Zeitraum von 2 Stunden oder länger auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Die Kinder würden gedanklich ablenken. Ist immer auf Abruf. Offiziell ist das Gerücht nicht bestätigt. Allein schon aus Gründen des Arbeitsrechts. Ich habe auch schon von Müttern gehört, die zwar eine Anstellung erhielten, aber nur „leichtere“, kurze Aufgaben erhielten. Trotz höheren Qualifikationen. Weil Kinder vorhanden waren. Dennoch nicht offiziell bestätigt.

Wie oft habe ich mich schon bei Arbeitgeber beworben. Anzeigentext: Flexible Arbeitszeiten von – bis. Ich: Super, passt zu den größten Teilen in Kindergarten – bzw. Unterrichtszeiten. Die restliche Zeit kann privat noch problemlos abgedeckt werden. Bewerbung abgeschickt. Im Gespräch: Ja, in der Anzeige stand. ABER. Leider ist diese Stelle schon besetzt, wir können nur noch in der Zeit von – bis anbieten. Vereinbarkeit mit Kindergarten und Schule gleich Null. Nur noch mithilfe von Tagesmutter realisierbar. Ähm, ich wollte arbeiten gehen um meinen Lebensunterhalt selbst finanzieren zu können. Mal 5 Tage Urlaub im Jahr auf einem Bauernhof oder Campingplatz erwirtschaften können. Nicht um den großen Teil des erwirtschafteten Nettogehalts an Betreuungsstellen zu zahlen.

Einer der besten Gründe, eine Mutter nicht einzustellen erhielt ich letztes Jahr. Als Begründung für die Absage: „Sie hat kaum Berufserfahrung und ist zu lange aus dem Berufsleben draußen!“ Ja gut, 8 Jahre sind nicht gerade kurz. Das ist richtig. Aber von diesen 8 Jahren habe ich mich knapp 6 Jahre ständig beworben. Es gab nur zwei Mal die Chance, mich zu beweisen. Zwei Mal! In 6 Jahren! Einmal gab es die benötigte Arbeitskleidung nicht in meiner Größe und durfte nicht privat organisiert werden. Das andere Mal bin ich – weil ich mit Entzündeten Nasennebenhöhlen und starker Angina zur Probearbeit kam – auf der Arbeitsstelle fast zusammengebrochen. Bei fast 40 Grad Außentemperatur und anstehendem Gewitter. In einer Backstube.

Was spricht auf dem Arbeitsmarkt für die Mütter?

Ok, ich habe mich mit 23 Jahren für mein Kind entschieden. Für mich persönlich gab es keinen Grund, der gegen das Kind sprach. Einen Arbeitgeber hatte ich zu dem Zeitpunkt auch nicht, weshalb der Mutterschutz bei mir auch nicht in der Form gegriffen hat. Also keinen Arbeitsplatz, an den ich zurückkehren konnte. Aber mit 23 Jahren ist der Optimismus noch sehr ausgeprägt. Standen auch einige Reformen bezüglich Betreuungsmöglichkeiten für Kinder an. War ich wirklich so Naiv?

Doch warum haben viele Arbeitgeber Schwierigkeiten, einer jungen Mutter einen Arbeitsplatz anzubieten? Es gibt Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Mütter am ehesten mitbringen. Dinge, die sich in der Form nirgend anders erlernen lassen. Nicht in der geballten Menge. Nicht in der Konstellation.

Jedes Kind hat seine Bedürfnisse. Fähigkeiten, die gefördert werden müssen. Interessen, die umgesetzt werden sollen. Rechte, die es einzuhalten gilt. Für jedes weitere Kind wird es entsprechend mehr. Alles während eines Tages. Neben Haushalt, eigenen Bedürfnissen, Interessen und Verpflichtungen. Mütter haben daher eine deutlich höhere Belastungsgrenze. Sind es doch die Personen, die den Überblick behalten müssen. Es sind in der Regel die Mütter, die alles planen und organisieren. Um selbst nicht unterzugehen. Um nicht unter Stress zu leiden. Einiges sollte zudem am besten zur gleichen Zeit passieren. Mütter sind nicht immer wie die Hennen, die glucken. Mehr wie ein Tintenfisch. Mit 8 Armen. Überall gleichzeitig. Multitasking ist das Schlüsselwort. Und seien wir mal ehrlich: In regelmäßigen Abständen geht die beste Planung gründlich schief. Dem Kindergarten fällt am Nachmittag ein, dass am nächsten Tag noch ein Kuchen benötigt wird, der Fußballverein sagt gleichzeitig das Training ab und das Kind wirbelt launisch wie das Wetter durch das Haus. Wie war die ursprüngliche Planung? Küche putzen und Gartenarbeit? Also wird die ursprüngliche Planung umstrukturiert. Die Küche muss nach dem backen sowieso gereinigt werden. Und der Garten? Unliebsame Bepflanzungen werden zu Zielobjekte für den Fußball. Ergo: Mütter können sich meistens schneller auf neue Situationen einstellen, können eher improvisieren. Kurzfristig. Denn solche Ereignisse sind meistens in der Planung berücksichtigt, was eine gewisse Flexibilität ermöglicht.

Ganz ehrlich: Was spricht wirklich dagegen, Müttern eine Chance in der Arbeitswelt zu geben?

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