Mein Herz – Dein Leben

Das Jahr hat gerade erst begonnen. Es ist kalt, typisch für den Januar. Eine Erkältung bahnt sich wahrscheinlich an. Der Schwindel ist merkwürdig. Nur noch ins Bett. Wenn es nach dem Wochenende nicht besser ist, geht es zum Arzt. Das ziehen im Arm wird nicht besser. Schmerzen in der Brust kommen noch dazu. Werden immer stärker. Ein Krankenwagen muss her. Der Notarzt wird gleich mitgeschickt. Der angeborene Herzfehler ist bekannt. Inzwischen ist es Montag früh.

Ein schlechter Krimi?

Zu schön um wahr zu sein. Es ist noch gar nicht so lange her, als es sich meinem Lebensgefährten so zugetragen hat. Was sind schon 6 Jahre? Heute wissen wir, dass ein kleiner Schlaganfall die Ursache für alles war. Etwas, was man sich mit Mitte 30 nicht vorstellen kann. Der Schlaganfall war so klein, dass dieser als solcher nicht aufgefallen wäre. Mit der Wanderung des Gerinnsels nahm aber alles seinen Lauf. Der Herzmuskel entzündete sich, etwas Wasser war im Herzbeutel und in der Lunge. Folge: Am Herz muss operiert werden. Eigentlich, wegen einer Blutader, die sich aufgrund der Behandlung verändert hatte. Der Herzfehler macht es aber schwieriger. Die fehlerhafte Seite muss dadurch ausgetauscht werden – eine künstliche Herzklappe muss her. Sehr wahrscheinlich Schrittmacher nötig. Überlebenschance sehr gering. Egal ob mit oder ohne OP. Spenderorgan fraglich.

Organspende – Leben oder Leiden?

Warum erzähle ich das? Wir haben Glück im Unglück gehabt. Auch wenn es oft nicht gut aussah. Aus dieser Situation heraus hat sich mein Blickwinkel nochmals etwas verändert. Zu einem Thema, welches viele nicht wahrhaben wollen. Ein Thema, dass zwar immer wieder – so wie zurzeit – in den Medien ist, dennoch kaum Beachtung findet. Wenn doch, dann wie vor ganz wenigen Jahren durchs Negative. Thema: Spendenorgan.

Im Kern geht es bei Organspenden darum, durch die Entnahme menschlicher Organe das Leben anderer zu Retten und damit lebenswerter zu machen. Nieren und Leber können lebend gespendet werden. Bei der Niere, da normalerweise zwei vorhanden sind. Die Leber ist daher möglich, da es sich um ein nachwachsendes Organ handelt. Für alle anderen Organe muss der Hirntod offiziell festgestellt worden sein. Soweit zur Theorie.

Seit es möglich ist, Organe zu transplantieren gibt es einen chronischen Mangel an Organen. Wartezeiten von mehreren Jahren ist Tagesordnung. Um die wenigen vorhandenen Organe einigermaßen fair aufzuteilen, haben sich verschiedene Organisationen gebildet. Auch um dem missbräuchlichen Handel entgegenwirken zu können. In Europa zählt Eurotransplant zu den führenden Einrichtungen in Punkto Organverteilung. Dort ist bekannt, dass Ende 2017 etwa 10.000 Menschen noch auf ein Spenderorgan gewartet haben. Nur in Deutschland selbst. Erschreckend, oder?

Zustimmung oder Wiederspruch?

Zurzeit wird in politischen Kreisen besprochen, ob sich in Bezug auf Organspenden ein entscheidendes Merkmal geändert werden soll. Es geht dabei nicht um medizinische Aspekte.

Im Gegenzug zu einigen anderen europäischen Ländern ist es in Deutschland üblich, dass einer Organspende zugestimmt werden muss. In den meisten Fällen entschied der Spender vor seinem Tod, was mit seinen Organen passieren sollte. Entsprechend wurde ein Organspende-Ausweis ausgefüllt. Meistens jedenfalls. Idealerweise wurde auch mit den nächsten Familienangehörigen und gegebenenfalls dem Hausarzt darüber gesprochen. Kurz: Es handelt sich um die Zustimmungsregelung.

Für die Meisten ist Organspende allerdings eine Art Fremdwort. Entweder, weil der genaue Ablauf fremd ist, schlechte Präsenz in den Medien, oder weil man sich noch nicht mit dem Tod auseinandersetzten möchte. Für die Angehörigen macht es die Entscheidung einer Organspende zuzustimmen nicht leichter. Genau hier soll die Gesetzesänderung greifen. Die Zustimmungsregelung soll in die Wiederspruchsregelung umgewandelt werden. Das heißt, wenn jemand stirbt muss klar sein, dass keines seiner Organe gespendet werden darf.

Die Wiederspruchsregelung bei Organspenden soll die Entscheidung nicht nur für den Spender und dessen Angehörigen leichter machen. Auch Kliniken würden davon eindeutig profitieren. In welchem Ausmaß ist noch nicht klar.

Mein persönlicher Standpunkt

Ich gebe es ganz ehrlich zu: Lange war ich am Zweifeln, ob ich wirklich Organe spenden soll. Ist ja nicht das Gleiche, wie Blut spenden. Allerdings kamen die Zweifel mehr daher, weil ich nach Gründe gesucht habe, die mich davon abhalten.

Nach dem Schicksalsschlag vor wenigen Jahren hatten wir noch Glück im Unglück. Trotz künstlicher Herzklappe, Schrittmacher und lebenslanger Dauermedikation samt Kontrollen ist ein relativ normales Leben möglich. Ok, auf Magnete muss aufgepasst werden und bei Verletzungen, sowie in der Ernährung muss die Blutgerinnung im Hinterkopf bleiben. Für uns gibt es zum Glück keine enorm vielen Unterschiede zu vorher.

In der Zwischenzeit ist für mich aber klargeworden, dass ich zu Lebzeiten selbst entscheiden muss, ob ich Organe spenden möchte oder nicht. Es spielt dabei keine Rolle, was das Gesetz vorsieht und geplant hat. Ich habe gesehen, wie schwer es ist, grundsätzlich an ein Spenderherz zu gelangen. Auswahlkriterien noch nicht berücksichtigt. Bei den meisten anderen Organen sieht es nicht anders aus. Für mich ist seither klar, dass ich – wenn es möglich ist – meine inneren Organe hergeben werde. Frei nach dem Grundsatz: Wenn ich sowieso tot bin, bringen sie mir sowieso nichts mehr. Warum also nicht spenden?

Author: Carmen

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