Ernährung Heute – Mangel oder Überfluss?

Nahrung gilt grundsätzlich als Grundbedürfnis des Menschen. Wird die daraus gewonnene Energie vom Körper dringend benötigt. Der große Teil der Organe würde nicht bzw. nicht richtig funktionieren. Der Mensch hätte langfristig keine Chance zum Überleben. Worüber sich unsere Urahnen nie Gedanken machen mussten, spaltet heute die Gesellschaft. National und Global. Denn die heutige Ernährung hat eine Dimension erreicht, die nur sehr schwer zu Überblicken ist. Nicht nur in der Menge der vorhandenen Lebensmittel, sondern auch der Ernährungsformen.

Die Definition der Ernährung

In erster Linie heißt Ernährung nichts anderes, als mithilfe von Energie, Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen die Lebensfunktionen des Körpers zu erhalten. Allerdings ist es nur die Theorie. Eine Grundlage, die in der Form nicht angezweifelt wird. In der Praxis sieht es allerdings anders aus. Viele Faktoren haben sich über einen längeren Zeitraum ineinander Verkettet, bilden eine verwirrende und teilweise traurige Realität.

Die Gesellschaft und die Nahrung

Nach Artikel 25 der Menschenrechte hat jeder Mensch ein Recht auf Nahrung. Doch existiert hier in mehrerlei Hinsicht ein Gegensatz der Extreme, verursacht durch die Entwicklung der Gesellschaft. Ein Prozess, der nur wenige hundert Jahre benötigt hat.

Zu Beginn der Menschheit waren wir Menschen lediglich Sammler und Jäger. Es wurde lediglich nur das an Nahrung genommen, was wirklich benötigt wurde. Nahrung, die auch gerade in der Natur vorhanden war. Pflanzliche Nahrung war durch den Wechsel der Jahreszeiten nicht immer Verfügbar. Das Jagen auf Tiere war oft mit tödlichen Gefahren verbunden. Keiner Beschwerte sich, war schließlich keine andere Ernährungsweise bekannt. Doch es lag in der Natur, dass der Mensch sich weiterentwickelte. Ein Prozess, der vieles veränderte. Neben den technischen Errungenschaften veränderte sich die Umwelt. Die Nahrungsaufnahme veränderte sich gleich mit.

Die Ernährung Heute – Zwischen Mangel und Überfluss

Warum spaltet die heutige Ernährung die Gesellschaft? Warum erhitzt es zahlreiche Gemüter ohne befriedigendes Ergebnis? Verantwortlich sind mehrere Aspekte, die nur einen Teil der Realität wiederspiegeln.

Ein nationales oder ein globales Thema?

Die Ernährung kennt keine Grenzen. In jederlei Hinsicht. Manche Lebensmittel werden mit bestimmten Regionen und Ländern in Verbindung gebracht. Pasta und Italien, Baguette und Frankreich, Paella und Spanien, Fast Food und Amerika. Kombinationen die genauso zusammengehören, wie das Amen und die Kirche. Dennoch lohnt sich ein genauerer Blick. Denn der erste Eindruck hält nichts von der eigentlichen Wahrheit. Der traurigen Realität. Besonders dann, wenn bei einer Bevölkerung von rund 7,32 Milliarden Menschen etwa 1 Milliarden Menschen an Hunger leiden. Obwohl die existierende Menge an Lebensmitteln für insgesamt 12 Milliarden Menschen reichen würden. Nur mal so statistisch gesehen.

In den Industrieländern hat sich ein Baustein der heutigen Ernährung entwickelt. Technischer Fortschritt und Forschung haben eine schnellere, effektivere Bewirtschaftung von Anbau und Ackerland ermöglicht. Bereits im 12. Jahrhundert wurden die Erträge so gesteigert, dass ein Überschuss zum Verkauf vorhanden war. Und dies nur, indem die Pferde eine gepolsterte Halterung (Kummet) umgelegt bekommen haben. Die zum Arbeiten benötigte Luft wurde nicht mehr abgeschnürt. Genauso schnell wurden die langsamen Ochsen durch leistungsstarke Pferde ersetzt. Unbewirtbares Ackerland konnte nun mit einem Pflug bestellt werden. Auch die Bodenbeschaffenheit wurde durch passende Pflanzen positiv beeinflusst. Bohnen, Erbsen oder Klee reicherten die Erde mit Stickstoff an. Die Erträge wurden nochmals reichhaltiger und deutlich erhöht. Jedoch blieb der Fortschritt bei dem Punkt nicht stehen. Es wurden nach immer mehr Hilfsmitteln gesucht und getüftelt. Der Mensch versuchte die Bewirtschaftung weiter zu erleichtern und noch mehr Erträge zu erreichen. Im 18. Jahrhundert begann endgültig die Industrialisierung, die sich in die Landwirtschaft auswirkte.

Neben der technischen Entwicklung hat sich in vielen Industrieländern noch etwas anderes entwickelt: Die Infrastruktur. Für die meisten ist sie fester Bestandteil des Alltags. Ist zu etwas Normalem und selbstverständlichem geworden. Mithilfe der Infrastruktur sind die Lebensmittel überall erhältlich. Ist im Norden von Deutschland ein Produkt knapp, wird es einfach vom Süden dorthin gebracht und umgekehrt. Über mehrere Jahrzehnte hat sich so ein stabiles Netzwerk entwickelt. Nicht nur in der Bundesrepublik, sondern weltweit. Zusätzlich kommen noch verschiedene Handelsverträge, die verschiedene Nationen miteinander geschlossen haben. Saisonale Ware, wie zum Beispiel Äpfel und Tomaten sind das ganze Jahr erhältlich. Exotische Früchte, wie Ananas und Bananen kommen zusätzlich dazu. Sie werden einfach aus anderen Ländern, in denen gerade durch das Klima Zeit dafür ist zu uns geliefert.

Ernährung fängt beim Mensch an

Restaurants und Imbisse haben in der heutigen Ernährung einen festen Bestand. Für jede Preisklasse ist etwas dabei. Mithilfe des Lieferservice können sogar vollständige Mahlzeiten bis nach Hause gebracht werden. Die einzige Entscheidung, die getroffen werden muss, ist die Wahl des Gerichts und Lieferdienstes. Ernährung hat in diesem Fall einen ganz anderen Stellenwert. Für den Konsumenten soll es schnell, einfach und sättigend sein.

Einige Discounter setzen inzwischen ebenfalls auf den „Lieferservice“. Mit nur einem Klick werden die gewünschten Lebensmittel durch DHL und andere Versanddienstleister nach Hause gebracht. Besonders Großstädte profitieren davon. Denn es ist ein ausgebautes Netz für frische Lebensmittel vorhanden. Nach einer Studie von Eurosat haben im Jahr 2017 etwa 21% ihre Lebensmittel online eingekauft.

Die Gesellschaft als Marketinginstrument

In Deutschland gehört die Nahrungsmittelindustrie zu den drei stärksten Wirtschaftszweigen. Im europäischen Vergleich regelmäßig in den Spitzenpositionen. Einfach so? Nein. Hinter nur einem Wort verbergen sich zahlreiche Strategien. Unternehmen investieren viel Zeit und Geld in Marketing. Denn die Lebensmittelbranche ist ein rentables Geschäftsfeld. Basis bildet immer die Beobachtung des Endverbrauchers.

Wen wundert es noch, dass sogar aus einer Wegwerfgesellschaft Profit gewonnen werden kann? Ja, wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Allein bis das Nahrungsmittel bei uns ankommt gehen bereits 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel verloren. Weltweit! Das sind pro Kopf etwa 0,5 kg, täglich. 180 – 190 kg im Jahr. 18 Millionen Tonnen nur in Deutschland. 100 Millionen in ganz Europa. In ärmeren Ländern liegt es meist an fehlender Infrastruktur und Lagerungsmöglichkeiten. In Deutschland und in den anderen Industrieländern sind meist wir selbst daran schuld. 54,5 Millionen Tonnen Lebensmittel werden in Deutschland erzeugt und vom Konsumenten erworben. Dagegen sind 18 Millionen Tonnen nicht verwertete Lebensmittel im Verhältnis wenig. Obwohl es fast die Hälfte ist. Davon sind lediglich etwa 8 Millionen Tonnen unvermeidbar. Denn es handelt sich um Verluste durch Kochen, Säuberung oder durch Schälen. Auch Knochen werden mitgerechnet. Bei den restlichen 10 Millionen Tonnen an weggeworfenen Lebensmitteln handelt es sich um Prozesse, die bereits auf dem Weg vom Erzeuger bis zu uns entstehen. Einer der Gründe ist unter anderem, dass die Ware nicht der Norm an Größe oder Ästhetik entspricht. Abfälle, die man vermeiden kann. Und dabei haben wir uns noch nicht über die Reste der „To Go“ – Produkte unterhalten. Seien wir mal ehrlich: Es ist manchmal einfacher und bequemer, beim Bäcker um die Ecke einen Kaffee mitzunehmen. Den leeren Becher werfen wir einfach in die nächste Mülltonne und gut ist. Denn der Kaffeebecher von zu Hause ist die ganze Zeit in der Tasche, nimmt ganz viel Platz weg und ist so schwer wie 10 Barren Gold. Ok, erstes Umdenken ist vorhanden. Doch wie viel Zeit wird es benötigen, bis es sich in der Statistik bemerkbar macht?

In die Kategorie des Marketings für Nahrungsmittel gehören auch geschickte Werbemaßnahmen. Doch manche Werbeführung darf natürlich stark angezweifelt werden. Warum? Weil sie teilweise sehr irreführend ist. Sie unterstützt Meinungen, die in keinem Zusammenhang stehen; fördert Tatsachen, die nur die halbe Wahrheit beinhalten. Auch hier ist ein wesentlicher Fehler in der Gesellschaft zu finden, den die Nahrungsmittelunternehmen schamlos ausnutzen. Auf der einen Seite stehen die tierischen Produkte. Nur wenige Konsumenten denken über die Aufzucht und Haltung nach. Nur wenigen ist bewusst, wie sich Massenhaltung auf die Qualität auswirkt. Die Industrie erzählt allerdings lieber nichts davon. Konsumenten sollen sich anhand von ständiger Verfügbarkeit in einer Ernährungssicherheit wiegen. Werbung täuscht meistens nicht nur bei tierischen Produkten. Stichwort: Superfoods. Exotische Früchte, Smoothies und Co. werden als wahre Wunderwaffen angepriesen. Nur der Wahrheitsgehalt ist lang nicht so hoch. Beispiel: Die Goji Beere aus Asien. Durch ihren Einsatz in der traditionellen chinesischen Medizin wird ihr zahlreiche positive Eigenschaften zugesprochen. Tatsache ist, dass die kleine Beere sehr reich an Vitaminen, Nährstoffen und Eisen ist. Allerdings nur, wenn sie im reifen Zustand frisch geerntet wurde. Der lange Transportweg bis zu uns in den Supermarkt macht das aber nicht möglich. Sie werden in der Regel unreif geerntet oder getrocknet. Die so hoch angepriesenen Inhaltstoffe sind also noch gar nicht vorhanden. Warum nun weit über 40 Euro für nur 1 kg Superfood ausgeben, wenn dafür 2 – 4 Wochen lang frisches heimisches Obst und Gemüse mit viel besserer Leistung erhältlich ist? Das andere Beispiel sind die als gesund geltenden Smoothies. Ja, das Getränk ist gesund. Wenn es frisch zubereitet wird. Durch Konservierungsstoffe und andere Verfahren für längere Haltbarkeit gehen zahlreiche gesunde Inhaltsstoffe verloren. Mit nur wenigen Zutaten lässt sich für das gleiche Geld sogar die doppelte Menge erreichen. Was spricht daher dagegen, ein Smoothie selbst zu machen?

Soziale Medien, TV und Zeitungen spielen der Nahrungsmittelindustrie positiv zu. Sie erzählen von den neuesten Trends von Stars und Events. Diäten werden so rasant verbreitet. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden in dem Zusammenhang nur dann komplett verbreitet, wenn sie zum neuen Trend passen. Ansonsten finden taktisch gewählte Passagen Erwähnung. Klar, dass dieser Weg funktioniert. Besonders junge Menschen identifizieren sich mit Stars und Events. Möchten ihren Vorbildern nacheifern, Lebensgefühle und – weisen aufrechterhalten. Lassen sich durch das Wir – Gefühl schneller überzeugen. Wie lange wird das gut gehen?

Der Gegensatz in der heutigen Ernährung

Allein im internationalen Vergleich fällt der Unterschied zwischen Industrieländern und den sogenannten 3. – Welt Ländern auf. Kriege und Launen der Natur verhindern die Versorgung mit den einfachsten Grundnahrungsmitteln. Nur am Beispiel Afrika werden die Extreme deutlich. Lange Dürren, starke Regenfälle, fehlende Hilfsmittel – Die Bewirtschaftung ist so schon deutlich erschwert. Bürgerkriege mit Plünderungen und blinder Zerstörungswut geben der übrig gebliebenen Grundlage den Rest zum Untergang. Ich weiß, es ist etwas extrem ausgedrückt, entspricht es doch häufig der Wahrheit. Die Folgen kennen wir alle aus den Medien und von freiwilligen Helfern, die vor Ort waren: Hunger, Unterernährung und Folgeerkrankungen.

In Industrieländern gibt es neben der Wegwerfgesellschaft, die vom Wohlstand geprägt ist noch eine andere Seite. Einen Blickwinkel, der ebenfalls zur heutigen Ernährung gehört. Einen Aspekt, den vielen nicht bewusst ist oder einfach verdrängt wird. Armut. Aufgrund fehlender Arbeit. Zu geringer Rente. Mitten in Deutschland, Europa, sogar in den USA. Hartz 4, Sozialhilfe und andere vergleichbare Gelder sind in den meisten Industrieländern vorhanden. Der Rahmen ist allerdings gering bemessen. Von wenigen hundert Euro muss Miete und Nebenkosten gezahlt werden. Kleidung und Hygieneartikel gehen ebenfalls von dem Geld weg. Was letztlich für Nahrungsmittel übrig bleibt ist nicht mehr viel. Je nach Jahreszeit ist es äußerst schwer, sich abwechslungsreich zu ernähren. Gerade im Winter ist kaum heimische Saisonware vorhanden. Importiertes Obst und Gemüse ist teuer. Nicht immer sind soziale Einrichtungen wie die Tafel oder Arche vorhanden. Zudem ist dort die Ware heiß begehrt, wenn überhaupt Frischware gespendet wird. Folglich wird zu günstigen Fertigprodukten gegriffen. Ein Teufelskreis nimmt seinen Lauf. Übergewicht und Diabetes sind nur die bekanntesten Erkrankungen, die durch die falsche Ernährung begünstigt werden. Depressionen entwickeln sich, weil man sich in seiner Haut nicht mehr wohl fühlt und keine Arbeit bekommt. Weil sich kein Wir – Gefühl einstellen wird, da kein Ernährungstrend mitgemacht werden kann.

Die Ernährung im Umbruch

Die heutigen Ernährungsweisen sind schon lange festgefahren. Umso erstaunlicher ist der Umbruch, der zurzeit stattfindet. Das Bewusstsein der Konsumenten hat sich verändert. Die Gesellschaft definiert sich mehr über Lebensmittel und Ernährungsformen. Schlüsselwörter hierfür sind Nachhaltigkeit und verantwortungsvoller Umgang. Die Gesellschaft legt immer mehr Wert auf Qualität, bevorzugt regionale Ware. Das Bewusstsein für vorhandene Ressourcen wird immer mehr gestärkt. Artenvielfalt wird wieder wichtig. Und die Überfischung der Flüsse und Meere hat sich zu einem sensiblen Thema entwickelt, für das sich viele interessieren. Neben einem fairen Handel ist auch der Schutz von Tier und Umwelt wichtig geworden. Es haben sich zahlreiche Verfechter gefunden, die gegen die Verwendung von Lebensmittel als Kraftstoff sind. So finden Mais, Raps, Getreide und andere pflanzliche Primärstoffe ihren Einsatz in Bioethanol, Biodiesel oder Biogas. Entsprechend haben sich Trends zu Vegetarismus und Veganismus in den letzten Monaten und Jahren klar hervorgehoben. Urban Gardening hat in diesem Zug einen neuen Stellenwert erhalten. Denn gemeinschaftliches Gärtnern auf stark begrenztem Raum regt einen enormen Austausch über die heutigen Ernährungsweisen und – formen an.

Anmerkung

Ich möchte nicht behaupten, dass ich perfekt bin. Lange Zeit hat mich eine Ernährungsweise begleitet, die alles andere als gesund war. Schon immer musste ich mehr auf den Konsum von Nahrungsmitteln achten, als andere. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich als übergewichtig galt. Die Kilos aus der Schwangerschaft gaben mir den Rest. Chronisches Adipositas! Über mehrere Jahre habe ich mich mit der Ernährung auseinandergesetzt. Verschiedene Formen ausprobiert. Meistens ohne Erfolg oder nur sehr kurzfristig. Den Jojo – Effekt kennen ja viele unter uns. Zum Schluss hatte ich das Gewicht von zwei gesunden normal schlanken Frauen. Inzwischen kann ich mit großem Stolz erzählen, dass ich etwa die Hälfte wieder los bin. Wen wundert es noch, dass ich mich mit dem Thema Ernährung beschäftige? Ich habe hier nur ein paar Punkte der heutigen Ernährung angerissen. Es lassen sich noch viele Texte und Berichte rund um die Ernährung verfassen. Ist es doch ein Thema, dass äußerst vielschichtig ist.

Wie geht es euch mit eurer Ernährung? Habt ihr ähnliche Erfahrungen oder andere?

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