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Kaffeeblues

Das Reisen und der Alltag

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Es ist fast 11 Uhr und ich sitze in der Stadt in einem familiären Café, geführt von einer netten italienischen Familie. Ich bin schon seit heute früh unterwegs, Besorgungen machen, Ideen für Weihnachten sammeln. Doch irgendwann braucht jeder einmal eine Pause. Vor allem dann, wenn man kein so großer Shopping-Fan ist wie ich.

Während ich auf meinen Milchkaffee wartete, schlug ich nichtsahnend eine Zeitschrift eines renommierten Verlages auf. Schnell sprang mir ein Artikel, der mehrere Seiten umfasste, ins Auge. Ein Arzt stellte eine Theorie auf, in der es um Jugendliche und dem Suchtverhalten von Medien ging. Genauer von Internet, Online – Games, TV und Smartphones. Der Herr nannte das Krankheitsbild ISO-Syndrom. Während dem Lesen sind mir einige Gedanken durch den Kopf.

ISO ist in diesem Fall die Abkürzung für Internetsucht, schulvermeidendes Verhalten und Obersitas (Übergewicht). Die Theorie des Arztes Wolfgang Sigfried stützt sich auf seine eigenen Erfahrungen in einer Rehaeinrichtung, die sich eben auf solche Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene spezialisiert hat. Patienten, die sich in einem Kreislauf befinden, aus dem sie nicht mehr alleine herauskommen. Welcher Baustein als erstes kommt, lässt sich nicht grundsätzlich benennen. In dem Bericht werden von unterschiedlichen Schicksalen berichtet. Mal ist es zuerst Schwierigkeiten mit dem Lernstoff der Schule, wodurch die Flucht in das Internet beginnt, während nebenher meist wahllos gegessen wird und das Gewicht stetig steigt. Bei anderen ist bereits das Übergewicht vorhanden, wodurch es zu Schwierigkeiten mit Mitschülern kommt, das Internet ist dabei eine Fluchtstätte vor der Realität. Fehlzeiten in der Schule werden begünstigt.

Damit das ISO-Syndrom als offizielles Krankheitsbild anerkannt werden kann, möchte der Arzt den Verlauf von bis zu 100 Therapieteilnehmern auswerten. Denn es ist lediglich bekannt, dass die 3 Faktoren sich gegenseitig begünstigen. Zusätzlich gibt es auch noch andere Studien renommierter Einrichtungen, die seiner Theorie mehr Seriosität verleihen.

Für meinen Teil ist es ein sehr erschreckendes Phänomen. Ok, ich bin auch nicht mit Modellmaßen gesegnet. Zu meinen schlimmsten Zeiten galt ich als krankhaft Fettleibig. Allerdings bin ich auf dem besten Weg, durch eine veränderte Ernährungsweise mein Gewicht in den Griff zu bekommen. Die Hälfte ist bereits geschafft. In meiner Kinder- und Jugendzeit war ich zwar stabil gebaut, jedoch nie übergewichtig. Auch gehörte ich nie zu denjenigen, die regelmäßig in der Schule fehlten. Als Kind der 1990er Jahre ist mir das Internet gut vertraut. Zum Glück war das reale Leben für mich interessant, da ich in Vereinen aktiv engagiert gewesen bin. Mehr als genug Bewegung und Stabilität war vorhanden, familiäre Probleme hinterließen merklich weniger Spuren. Dennoch nahm ich durch Frustessen etwas zu, die Schwangerschaft gab mir den Rest. Daher weiß ich inzwischen auch aus eigener Erfahrung, wie übergewichtige Menschen behandelt werden, den Teufelskreis, den das Gewicht mit sich bringt.

Als Mutter war der Bericht für mich mehr als erschreckend. Meine Tochter ist mit 8 Jahren in einem Alter, in der sie noch sehr leicht zu prägen ist. Gewohnheiten in der Ernährung und im Umgang mit Medien wie Internet oder TV. Genauso die Einstellung gegenüber Schule. Sie leidet nicht an Begeisterungsausbrüchen, wenn es um die Schule geht, insbesondere bei den Hausaufgaben. Der Übeltäter heißt in dem Fall Mathe. Im Gegenzug freut sie sich jeden Tag darauf, dort ihre Freunde zu treffen.

Ich werde meine Tochter nicht vor allem Beschützen können. Sie gehört auch zu der Generation, in denen der Umgang mit internetfähigen Smartphones und Computern normal ist, werden teilweise sogar für die Schule benötigt. Ich kann nur hoffen, dass sie einen vernünftigen Umgang mit den neuen Medien und in der Ernährung lernt. Natürlich unterstütze ich sie dabei, so gut ich kann.

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